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Webdesign & Marketing für Gründer und mittelständische Unternehmen

Burger, Gehirntumore und geklaute Großküchen…

Ärgerlicher Zahlungsausfall – aber was für eine Story…

Tja, manchmal sind die Dinge leider nicht immer so wie sie scheinen und ja es stimmt – man sieht den Menschen immer nur bis vor die Stirn. So erging es auch mir vor einigen Jahren als ich, als vertrauensvoller junger Designer 😉 einen vermeintlich tollen Neukunden bekam.

Es meldete sich eine junge Unternehmerin und erzählte mir von Ihrer erfolgversprechenden Geschäftsidee. Ein Burger-Laden sollte es werden, direkt hinterm Deich und mit echten amerikanischen Snacks. Natürlich nur aus besten und regionalen Zutaten hergestellt. Eine Location mit professioneller Gastronomie-Ausstattung war bereits bezogen und jetzt fehlte nur noch die Gestaltung eines Logos sowie erste Marketingmaßnahmen drumherum. Die Idee brauchte also visuellen Wind in die Segel. Genau mein Ding… So dachte ich.

Ich vereinbarte also einen ersten Vor-Ort-Termin, um mir ein besseres Bild hinsichtlich der Möglichkeiten und der Unternehmerin selbst zu machen. Mich empfing eine offene und herzliche junge Frau in einem sanierungsbedürftigen Landgasthof. Bei einer Tasse Kaffee wurde mir der vermeintliche Unternehmensstatus beschrieben und die Ziele erläutert. Hier, in diesen 4 -Gastrowänden sollte das „Best Food am Deich“ entstehen. Finanziell würde man sehr gut da stehen, deshalb hätte man den Landgasthof auch direkt gekauft. Pachten ist ja schließlich rausgeworfenes Geld. Ach ja, die nagelneue und hochwertige Küche, die hätte man allerdings kostenschonend geleast… aber sonst – alles bezahlt. Jetzt fehle halt nur noch ein schicker Markenauftritt und dann könne es auch schon losgehen mit leckerem Fingerfood… und diesen sollte ich nun bitte umsetzen.

Auftrag erteilt – los gehts!

Beauftragt wurde eine komplette Logogestaltung inkl. Corporate-Board (Aussicht auf Markenfunktion). Also ging es frisch und mit Freude ans Werk.

Nun muss man wissen, dass eine Markengestaltung ein Stückchen weit immer die Königsdisziplin für uns Kreativ-Dienstleister ist und neben umfangreicher Recherche zum Thema eben auch eine Menge Herzblut für die Aufgabe benötigt wird. Das bedeutet, dass, nur wenn ich mich als Designer zu 100 % auf meine Auftraggeber einlasse, ich bestmögliche Ergebnisse abliefern kann. Hier entstehen dann erste Markenentwürfe inklusive passender Farb- und Schriftwelten. So also auch der Vorlauf bei dieser Auftraggeberin.

Auszug aus einem der Präsentationscharts.

Um es nun dieser Kundin leichter zu machen, sich in Ihre mögliche neue Marke einzufühlen gestaltete ich zusätzliche Mock-up´s. Das sind passende Bildwelten in welche ein kreativer Entwürfe einsetzt und die eine Markengestaltung unterstützend abbilden. In diesem Falle beispielsweise Verpackungen, Speisekarten, Bierdeckel etc. – alles noch „quick & dirty“, aber doch schon richtungsweisend 😉

Die Präsentation verlief sehr gut und so wurde sich direkt für eine der vorgestellten Entwurfslinien entschieden. Ich freute mich, die Vorstellung der Kundin getroffen zu haben. Nun sollte es nach den Wünschen der Kundin alles ganz schnell gehen, um direkt mit dem Markenauftritt loslegen zu können. Jung und naiv übergab ich also die benötigten Daten.

Die Rechnung folgt…

Wie vereinbart stellte ich nach vertrauensvoller Datenübergabe meine Rechnung… und was soll ich sagen – diese wurde überraschender Weise erst einmal ignoriert.

Nach einer Woche über dem vereinbarten Zahlungsziel rief ich also bei meiner Auftraggeberin an und erkundigte mich freundlich, ob die Rechnung nicht angekommen wäre, oder diese eventuell stressbedingt (Neueröffnung etc.) untergegangen wäre? Als Antwort bekam ich zu diesem Zeitpunkt dann die Frage gestellt, ob es mir ggf. auch möglich wäre eine Ratenzahlung des vereinbarten Betrages anzunehmen, da es jetzt doch gerade einige zusätzliche Ausgaben hinsichtlich der Ladeneröffnung gäbe…

OK, das überraschte mich in der Tat ein wenig, da man ja anfangs doch sehr betont hatte (hinsichtlich der Liquidität) ausnehmend gut dazustehen… aber nun gut, man ist ja kein Unmensch. Wir vereinbarten also eine Zahlung des Gesamtbetrages gestaffelt auf 3 Monatsraten. Die erste Rate zahlbar binnen 14 Tagen nach schriftlicher Vereinbarung.

Ihr werdet es erraten… dieser erste Betrag ging natürlich nicht auf meinem Konto ein. Stattdessen sah ich jedoch auf dem Facebook-Account der Auftraggeberin ein Foto des von mir entworfenen Logo´s in Form eines überdimensionalen Firmenschildes über der Ladentür prangen. Gepaart mit dem Versprechen das mann „genau hier“ das beste Food am Deich bekommen würde. Super, dachte ich, dann ist das Logo ja bereits in Verwendung und offensichtlich produktionsfähig. Entsprechend versuchte ich also erneut anzurufen um auf kurzem Wege meine Rate einzuforden. Doch es wurde nicht abgenommen – und zwar so lange nicht, bis ich bei einem der zahlreichen weiteren Versuche meine Telefonnummer ausblendete… erwischt!

Nun, da ich die zahlungssäumige Kundin endlich am Telefon hatte, erfragte ich den aktuellen Status der Ratenzahlung? Diese Frage wurde erst einmal mit Stille erwidert, dann mit der recht knappen Aussage sie hätte den Betrag wie vereinbart überwiesen. Ein Ausblieben der Summe müsse dann an der Bank liegen… eventuell ja auch ein Zahlendreher bei der IBAN oder so… des Weiteren hätte man jetzt gerade keine Zeit mehr und andere Dinge zu tun. Eines der Kinder hätte ein Gehirntumor und die Familie wäre auf dem Weg in die Klinik. Ich war entsetzt!

Selber Familienvater dachte ich natürlich zutiefst besorgt an die arme Familie, die zurzeit gewiss anderes im Kopf hatte als an jede offene Rechnung zu denken. Entsprechend entschuldigte ich mich für mein Unwissen, wünschte alles Gute und bat darum, dann spätestens zum kommenden Ratenzahlungstermin den ausständigen Betrag zu überweisen.

Eine junge Fast-Food-Unternehmerin, die ein „todkrankes Kind“ zu betreuen hatte, musste man doch unterstützen. Da konnte ich doch keinen Stress wegen einer unbezahlten Rate machen. Das wäre hochgradig unmoralisch!

Es verging ein weiterer Monat und auch die zweite Rate wurde nicht getilgt. Ich war ernsthaft besorgt… was könnte es für Gründe geben, dass auch diese Vereinbarung nicht eingehalten wurde? War das Kind eventuell bereits dem Tumor erlegen? Oh mein Gott, das wäre einfach nur furchtbar. Vorsichtig rief ich also bei der Kundin an… vergeblich. Niemand nahm ab…

Bis – genau – ich erneut meine Rufnummer ausblendete.

Die zahlungssäumige Kundin meldete sich fröhlich und gut gelaunt – ich nannte meinen Namen und zack es wurde direkt aufgelegt. Ich versuchte also mein Glück und fuhr persönlich vorbei, um die Kundin zur Rede zu stellen. Zu meiner Überraschung traf ich aber niemanden an.

Außer dem großen Firmenschild – mit meinem unbezahlten Logo darauf – war von dem Burger-Laden oder seinen Inhabern nichts mehr zu finden. Ausgeflogen… wie mir eine Nachbarin bestätigte. Allerdings wohl nicht ohne vorher noch die „geleaste“ nagelneue Großküche zu verkaufen. Denn wie mir die Nachbarin erzähle, war kurz vor mir ein weiterer Gläubiger vor Ort. Der Leasinggeber der Küche, welcher sein Eigentum einfordern wollte. Die Küche jedoch war weg und hatte zwischenzeitlich neue Besitzer gefunden – was so alles geht.

Rechtliche Schritte? Unbedingt!

Fassungslos über die unmoralische Kaltschnäuzigkeit der Kundin, sogar ihren eigenen Kindern eine tödliche Erkrankung anzuhängen, um nicht zahlen zu müssen, wendete ich mich also an meinen Anwalt. Der Rechtsweg wurde eingeleitet, die Schuldnerin ausfindig gemacht und ja, ich investierte schon aus Prinzip noch mehr Zeit und auch Geld in diesen leidlichen Vorgang.

Letztlich kam der Vorgang vor Gericht und wurde letztendlich zu meinen Gunsten entschieden – ich erhielt einen Titel und eine eidestattliche Erklärung. Im Rahmen der Verhandlung wurde wenig überraschend festgestellt, dass die Kundin – oh Wunder– kein unbeschriebenes Blatt war. Das Prinzip „Abzocken & Betrügen“ zog sich wie ein roter Faden durch Ihre Biografie. So wechselte Mann bzw. Frau in der Vergangenheit aus eben solchen bekannten Gründen mehrfach den Wohnsitz. Allerdings nicht ohne überall finanziellen Schaden zu hinterlassen. Wow, was für ein Lebensmodell.

Ich hoffe jedenfalls, dass es den Kindern gut geht und diese nach wie vor gesund sind. Unfassbar, dass es Eltern gibt die aus finanziellen Gründen ihrem Nachwuchs Gehirntumore anhängen.

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